Eröffnungsfeier

125 Jahre fest in Leutershausen verwurzelt: Die SGL startet ins Jubiläumsjahr

(rkü) Nur noch wenige Tage, dann startet der größte Verein in Leutershausen in sein Festjahr: Die SGL feiert 2016 ihr 125-jähriges Jubiläum. Zahlreiche Veranstaltungen begleiten das Jubeljahr. Den Beginn macht die Eröffnungsfeier im Hirschberger Rathaus.

“Wir haben uns ein Jahr Zeit für die Vorbereitung genommen, damit wir den Bürgern ein stimmiges Jubiläumsjahr bieten können”, sagt Jürgen Welling, 1. Vorsitzender der SGL. “Wir freuen uns darauf, dass es nun endlich losgeht.” Einen ersten Eindruck bekommen die Bürger am Sonntag, 24. Januar, 11 Uhr im Hirschberger Rathaus: Ein Walzer von Chopin in e-Moll wird den Auftakt zur etwa zweistündigen Eröffnungsfeier bilden. Bürgermeister Manuel Just, Festpräsident Thomas Götz, Heinz Janalik als Präsident des Badischen Sportbundes, der Präsident des Turngaus Mannheim Konrad Reiter sowie Wolfgang Stadler, 1. Vorsitzender des TVG im Schwesterdorf Großsachsen, werden Grußworte sprechen. Den Stellenwert des Jubiläums zeigt auch die Tatsache, dass die Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) und Gerhard Kleinböck (SPD) das Wort an die Bürger richten werden. Johanna Götz gestaltet den musikalischen Rahmen. Jürgen Welling selbst wird die Festansprache halten.

Eingeladen zu dem Festakt sind alle Vereinsmitglieder, Freunde der SGL und ihrer Sportarten sowie selbstverständlich die Bevölkerung. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Bereits am Tag zuvor (Samstag, 23. Januar, 16 Uhr) versammeln sich Vorstand und Vereinsmitglieder in der Kapelle des Friedhofs Leutershausen zum Totengedenken.

“Die Tradition - das ist klar - ist das Fundament, auf dem unser Verein steht. Unsere Vorgänger haben Außerordentliches geleistet. Das würdigen und ehren wir. Aber natürlich wollen wir im Jubiläumsjahr nicht ausschließlich im Staub vergangener Jahre graben”, so Welling. “Nicht umsonst haben wir uns ein doppeldeutiges Motto für dieses Jahr gegeben: ‘Wir bewegen uns’ drückt zum einen unseren Geist für den Sport und zum anderen unsere Orientierung in die Zukunft aus. In diesem Sinn wollen wir das Jahr gestalten.”

Mehr als ein Dutzend Mitglieder aus allen Abteilungen kreierte den Festkalender, der seine Höhepunkte im “Tag der SGL-Familie” am 23. Juli und einem Gala-Abend in der Heinrich-Beck-Halle am 29. Oktober findet. Die Tickets für die Gala (Preis pro Karte: 25 Euro, Essen inklusive) gehen bereits in den kommenden Wochen in den Verkauf. “Das Interesse ist groß”, spürt Welling schon heute an den Anfragen, “obwohl das Programm noch nicht veröffentlicht ist, wollen die Menschen mit uns feiern”. Die Karten können voraussichtlich ab Februar über die Geschäftsstellen des Vereins und der Handball GmbH bezogen werden.

Parallel zur Eröffnungsfeier erscheint die Festschrift für das Jubeljahr. 100 Seiten stark, modern aufgemacht. Der aktuelle Stand der Abteilungen nimmt einen großen Teil der Publikation ein, aber auch die Historie kommt selbstverständlich nicht zu kurz. Walter Brand schrieb die Chronik seit dem 100. Vereinsjubiläum fort, Werner Hildebrand stellt die Highlights der Gemeinde vor, Jürgen Welling suchte in mühevoller Kleinarbeit Bilder aus 125 Jahren zusammen. Die Fotoseiten illustrieren nicht nur die Geschichte des Vereins, sondern spiegeln die Veränderung des gesamten Dorfs Leutershausen im Lauf der Jahrzehnte. Und das ist nicht mehr als recht: Mit mehr als 1.000 Mitgliedern ist die SG Leutershausen fest in der Gemeinde verwurzelt. Seit 125 Jahren gestaltet sie das Leben im Dorf mit und sieht sich selbst als Imageträger nach außen. Auch diese Rolle will der Verein im Jubiläumsjahr stärken.

Eröffnungsfeier anlässlich des 125-jährigen Jubiläums im Bürgersaal des Rathauses

In den Grußworten werden auch die großen Herausforderungen problematisiert

Für die Sportgemeinde ist Stillstand ein Fremdwort.

Passender hätte die Eröffnungsfeier anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Sportgemeinde Leutershausen nicht enden können. Johanna Götz sang gestern im voll besetzten Bürgersaal des Rathauses die Fußballweltmeister-Hymne von Andreas Bourani „Ein Hoch auf uns“. Zuvor hielten der SGL-Vorsitzende Jürgen Welling sowie die acht weiteren Redner erfrischende Vorträge – mit viel Lob für das Geleistete, aber auch mit nachdenklichen Worten über die Zukunft der Vereine. wurde Festpräsident Thomas Götz, als er seine Erlebnisse bei der SGL-Handballmeisterschaft von 1968 in der Halle in Böblingen schilderte. Götz war damals zehn Jahre alt. Den großen Herausforderungen der Zukunft widmete sich der eloquente Präsident des Badischen Sportbunds, Heinz Janalik. TVG-Vorsitzender Wolfgang Stadler erinnerte an die vielen Parallelen, aber auch an die feinen Unterschiede der zwei Hirschberger Vereine.zurück zum Beginn der Eröffnungsfeier. Bei SGL-Chef Welling kribbelte es laut eigener Aussage, weil er an diesem Tag eine besondere Rede zu halten habe. „Große Werke gedeihen nur durch Einigkeit“ – die Aussagekraft des Satzes des ersten Vereinsvorsitzenden Martin Weingärtner gilt für Welling bis heute im Verein. Kurz ging der Vorsitzende auf die Stationen des 1891 als TV Germania Leutershausen gegründeten Vereins ein. Nach 1945 folgte der Zusammenschluss mit der Deutschen Jugendkraft und am 23. Januar 1946 wurde im Gasthaus „Zum Lamm“ die Sportgemeinde gegründet. Zwar gilt Leutershausen mit der SGL als Handballdorf an der Bergstraße, gleichwohl hat der 1100 Mitglieder zählende Verein ein breit gefächertes Angebot. Drei Namen hob Welling besonders hervor, dies waren Heinrich Beck, Dr. Manfred Hirschenauer und Dr. Walter Schmitt. Bei aller Freude und Stolz verheimlichte Welling nicht die Probleme des Vereins. So fehlen Hallenkapazitäten. Im Jugendbereich gehe man Spielgemeinschaft ein und im Verein bleiben manche Posten unbesetzt. „Wir brauchen daher Frauen und Männer für den Vorstand und den Verein, die mitarbeiten wollen“, betonte Welling. Getreu dem Jubiläumsmotto „Wir bewegen uns“ werde sich der Verein daher auch in Zukunft den Herausforderungen stellen.

Der gute Charakter der SGL

die SGL-Charaktereigenschaften erfolgsorientiert, soziale Verantwortung, Beharrlichkeit und Tradition ging Schirmherr und Bürgermeister Manuel Just ein. Als Verein, der zum Establishment des deutschen Handballs zählt und der den Ort dadurch berühmt gemacht habe, lobte Just besonders das Vermitteln von Werten wie Teamgeist und Respekt vor anderen. Zudem lobte er die Beharrlichkeit und den Weitblick der Verantwortlichen: „Sie stellen sich so immer wieder den Herausforderungen. Festpräsident Götz, der auch im Namen der Volksbank Kurpfalz zum Jubiläum gratulierte, ließ Emotionen aufkommen, als er beschrieb, wie er und sein Bruder Bernhard 1968 die Meisterschaft und den 20:13-Sieg gegen Gummersbach in Böblingen miterlebten und mitfeierten. Götz lobte die SGL, die, wie auch andere Vereine, für die Lebensqualität am Ort sorgen würden. „Das kommt aber nicht von allein. Dazu braucht es Leute“, forderte er dazu auf, sich einzubringen.

SPD-Landtagsabgeordneter Gerhard Kleinböck griff in seinem Grußwort die Vereine als gesellschaftlichen Faktor im Land auf: „3,8 Millionen Menschen sind in den 11 000 Sportvereinen. Sie sorgen somit für den sozialen Zusammenhalt“, sagte Kleinböck und wies auf die neuen Herausforderungen Ganztagsschule und Integrationsarbeit für Flüchtlinge hin. Der grüne Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl sprach in seinem sehr persönlichen Grußwort von einem wahrhaft stolzen Jubiläum. Als Jemand, der 25 Jahre in Leutershausen lebte, sei die SGL immer präsent gewesen. „Der Verein steht gut da. Den Schwerpunkt auf die Nachwuchsbetreuung zu setzen, halte ich für gut. Sie sehen, was gerade beim HSV passiert. Die SGL geht einen soliden Weg und dies ist gut so. Der Vizepräsident des Deutschen Turnbunds, Alfred Metzger, freute sich, weil bei der SGL Tradition und Fortschritt einen Platz habe. Die großen Herausforderungen für die Vereine sah er in der Ganztagsschule, aber auch in der Konkurrenz zu den Volkshochschulen, die immer mehr Sport in ihr Programm aufnehmen würden. Als Geschenk überreichte er einen Bildungsgutschein für die Übungsleiter.

Mehr Frauen in der Führung

Eine flammende Rede auf den Sport und das ehrenamtliche Engagement hielt der Präsident des Badischen Sportbunds, Heinz Janalik. Er outete sich als begeisterter Handballfan, der die SGL schon seit den 60er-Jahren kennt. Damals war er Sportstudent. Sport sei für ihn Kultur und daher dankte er den Pionieren der Vereinsgeschichte. „125 Jahre heißt auch, dass es Siege, Niederlagen, Fehlentscheidungen und Enttäuschungen gab. Es menschelte eben bei der SGL“, ergänzte Janalik und lobte ausdrücklich die Neukonzeption des Handballs vor etwa zehn Jahren. Viel wichtiger war für ihn die Frage „Wie es denn weitergeht“ in Zeiten von Vereinsamung, Gemeinschaftsverlust sowie Sinn- und Vertrauenskrise. Die Herausforderungen sind für ihn vielfältig. Mitgliederschwund, Finanzierungsprobleme, ungebremste Anspruchshaltung der Bevölkerung, kommerzielle und halbkommerzielle Konkurrenz durch VHS oder Fitnessstudios, nicht vereinsgebundener Sport, Bürokratisierung, alte Sportstätten, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Ehrenamtlichen, neue Schulstruktur sowie Integration und Inklusion. Mögliche Lösungsansätze und Antworten lieferte er gleich hinterher: „Die Kräfte bündeln, ein überzeugendes solidarisches Denken und Handeln. Und mehr Frauen in die Führungspositionen.“ Konrad Reiter, Vorsitzender des Turngau Mannheim, unterstrich in seinem Grußwort die Aussage Janaliks. „Die SGL wurde von Männern gegründet. Doch heute ist der Verein eine Solidargemeinschaft von Frauen, Männern und Kindern. 75 Prozent in unseren Vereinen sind Frauen“, ergänzte Reiter. TVG-Vorsitzender Wolfgang Stadler, der im Namen der Hirschberger Vereine gratulierte, erinnerte an die Parallelen in der Vereinsgeschichte: „Dies ist wie ein Spiegelbild unserer Gemeinde. Wir arbeiten auch zusammen, wie etwa beim Zirkus Salazar. Aber letztendlich sind wir Heisemer und Saasemer und beide machen den Charakter Hirschbergs aus.“

hr

Ein paar Eindrücke von der Eröffnungsfeier